Abmahnung wegen Bildrechten: Wie Sie Ihre Website schützen

Steven | TrustYourWebsite · 3. Mai 2026

Sie erhalten eine E-Mail oder einen Brief mit dem Betreff "Urheberrechtsverletzung" oder "Abmahnung". Oder Ihr Webdesigner ruft an. Das ist unangenehm, aber häufig vermeidbar gewesen.

Bildrechte auf Websites sind in Deutschland eine der ertragreichsten Einnahmequellen für Anwälte und Rechteinhaberorganisationen. Nicht weil Unternehmen böswillig Bilder stehlen, sondern weil viele Website-Betreiber nicht wissen, was sie dürfen und was nicht.

Warum Bildrechte so oft verletzt werden

"Google-Bilder sind doch kostenlos"

Das ist das häufigste Missverständnis. Google zeigt Bilder in der Bildersuche an — aber die Anzeige ist keine Lizenz zur Nutzung. Jedes Bild gehört seinem Urheber. Die Google-Bildersuche durchsucht öffentlich zugängliche Bilder, lizenziert sie aber nicht weiter.

Wer ein Bild aus der Google-Bildersuche auf seiner Website einbettet, verletzt fast immer das Urheberrecht des Original-Fotografen oder der Bildagentur.

Bilder vom Designer übernommen

Viele Websites werden von einem Webdesigner erstellt, der Bilder aus verschiedenen Quellen verwendet — manchmal ohne gültige Lizenzen. Der Website-Betreiber übernimmt die fertige Website und hat keinen Überblick über die Bildquellen.

Rechtlich ist das kein Entschuldigungsgrund: Verantwortlich ist der Website-Betreiber, nicht der Designer. Das gilt selbst dann, wenn der Designer die Bilder eigenmächtig eingebaut hat.

Kostenlose Bilder mit eingeschränkten Lizenzen

Viele kostenlose Bilder haben Lizenzeinschränkungen, die oft ignoriert werden:

  • Creative Commons BY verlangt eine Namensnennung mit Quelle und Lizenzlink
  • Creative Commons NC verbietet kommerzielle Nutzung — auch wenn Ihre Website nicht explizit verkauft
  • Redaktionell lizenzierte Bilder (häufig bei Shutterstock, Getty) dürfen nicht in Werbematerialien erscheinen

Wer mahnt ab und warum?

Bildagenturen: Getty Images und Corbis

Getty Images und Corbis (beide Teil von Getty Images) sind die bekanntesten Abmahner. Sie nutzen automatisierte Scan-Tools (vor allem über Dienstleister wie PicRights und Copytrack), um das Web systematisch nach unlizenziert genutzten Bildern zu durchsuchen.

Nach einem Treffer kommt ein Schreiben mit einer Rechnung für die "Nachlizenzierung" — oft zwischen 300 € und 2.000 € pro Bild. Das ist technisch eine Abmahnung, die als Rechnungsschreiben verkleidet ist.

Was bei Getty-Schreiben wichtig ist:

  • Prüfen Sie, ob das Bild tatsächlich auf Ihrer Website war oder noch ist
  • Überprüfen Sie, ob Sie vielleicht doch eine Lizenz haben (alte Rechnungen, Lizenzdokumente)
  • Zahlen Sie nicht sofort — die Erstforderung liegt oft deutlich über dem, was tatsächlich geschuldet wird
  • Holen Sie sich anwaltliche Beratung vor jeder Reaktion

Freie Fotografen und Illustratoren

Einzelne Fotografen und Illustratoren beauftragen Anwälte, wenn ihre Werke unerlaubt verwendet werden. Das ist vollkommen berechtigt. Streitwerte beginnen bei etwa 1.000 € und können bei bekannten Fotografen deutlich höher ausfallen.

Copytrack und PicRights

Copytrack und PicRights sind spezialisierte Dienstleister, die für Rechteinhaber weltweit Verletzungen aufspüren und Forderungen stellen. Die Schreiben dieser Organisationen sind keine "Spam-Abmahnungen" — sie handeln im Auftrag legitimer Rechteinhaber.

Was droht konkret?

In einem typischen Fall ohne vorherige Abmahnung:

  • Unterlassung: Sofortige Entfernung des Bildes wird verlangt
  • Schadensersatz: Berechnet nach der "Lizenzanalogie" — was eine ordentliche Lizenz gekostet hätte. Bei kommerziellen Agenturen oft 100 bis 500 € pro Bild und Jahr der Nutzung
  • Anwaltskosten: Je nach Streitwert 200 bis 1.000 €
  • Unterlassungsstrafe: Wenn Sie eine Unterlassungserklärung unterschreiben und das Bild danach erneut erscheint, werden Vertragsstrafen von 5.000 € und mehr fällig

Bei sehr prominenten Verstößen (bekannte Fotografen, mehrjährige Nutzung, kommerzielle Absicht) können Gesamtforderungen deutlich höher liegen.

Was Sie jetzt tun sollten: Bestandsaufnahme

Machen Sie eine Audit Ihrer Website-Bilder. Für jedes Bild müssen Sie wissen:

  1. Wer hat das Bild gemacht?
  2. Woher haben Sie es?
  3. Welche Lizenz haben Sie?
  4. Haben Sie die Lizenzanforderungen erfüllt? (Namensnennung, keine kommerzielle Nutzung usw.)

Wenn Sie diese Fragen für ein Bild nicht beantworten können, ist es ein Risiko.

Sichere Bildquellen für Websites

QuelleLizenzNamensnennung nötig?Kommerziell erlaubt?
UnsplashUnsplash LicenseNein (freiwillig)Ja
PexelsCC0 / Pexels LicenseNein (freiwillig)Ja
PixabayPixabay LicenseNeinJa
Flickr (CC0 gefiltert)CC0NeinJa
Wikimedia Commons (CC0)CC0NeinJa
Eigene FotosEigentumJa

Kostenlose Lizenzen sind nicht unbegrenzt. Lesen Sie bei jeder Quelle die aktuellen Nutzungsbedingungen — diese können sich ändern.

Was mit KI-generierten Bildern gilt

KI-generierte Bilder (Midjourney, DALL-E, Stable Diffusion) haben eine besondere Rechtslage. In Deutschland gilt: Bilder ohne menschlichen Schöpfungsakt sind nicht urheberrechtlich geschützt — aber das schützt Sie nicht davor, dass das Bild Elemente enthält, die urheberrechtlich geschütztem Trainings-Material ähneln. Für kommerzielle Websites empfiehlt sich Vorsicht bei KI-Bildern ohne explizite kommerzielle Lizenz des KI-Anbieters.

Wenn Sie eine Abmahnung erhalten haben

  1. Nicht ignorieren. Abmahnungen haben Fristen — oft 7 bis 14 Tage. Ignorieren führt zu einer einstweiligen Verfügung, die teurer ist.
  2. Bild sofort entfernen. Unabhängig von der Rechtslage: Entfernen Sie das Bild, damit der Schaden nicht weiter wächst.
  3. Keine voreilige Unterlassungserklärung unterschreiben. Die Muster-Unterlassungserklärungen in Abmahnungen sind oft zu weit gefasst. Ein Anwalt kann eine modifizierte Version aushandeln.
  4. Anwalt einschalten. Besonders wenn die Forderung über 500 € liegt oder mehrere Bilder betroffen sind. Die Kosten für anwaltliche Beratung amortisieren sich fast immer.

Vorbeugung: Wie Sie Ihre Website absichern

  • Dokumentieren Sie die Lizenz jedes Bildes bei der Einbindung (Quelle, Lizenzdatum, Lizenztyp)
  • Kaufen Sie für Unternehmenswebsites Lizenzen bei etablierten Agenturen (Shutterstock, Adobe Stock) — beachten Sie die Unterschiede zwischen Standard- und erweiterter Lizenz
  • Lassen Sie Bilder von Ihrem Webdesigner nur mit Nachweis einer gültigen Lizenz einbauen
  • Führen Sie jährlich einen Bilder-Audit durch: Welche Bilder sind noch lizenziert? Welche Lizenzen sind abgelaufen?

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